Die Streitschwestern
Shownotes
Meine Tochter wollte, dass ich ihr eine Geschichte über zwei Schwestern, die sich immer streiten, erzähle. Daher haben wir uns zusammen diese Erzählung ausgedacht, in der Ihr einer sich ärgernden und enttäuschten kleinen Schwester, zwei dauernd streitenden großen Schwestern, einem Zauberhasen und natürlich auch Einhörnern begegnet.
…das Titelbild zu der Geschichte hat meine Tochter gemalt und hier nun auch noch der Text, falls Ihr die Geschichte auch mal selbst vorlesen oder vielleicht mitlesen wollt:
Die Streitschwestern
Immer, wirklich immer stritten die beiden Schwestern Fiona und Farhana, wenn sie zusammen waren - und scheinbar hatten sie auch noch Spaß dabei. Nur ihre kleine Schwester Bella fand das gar nicht lustig. Denn immer, wenn sie mit einer ihrer Schwestern spielen wollte, kam sofort die andere und die Beiden stritten, anstatt mit Bella zu spielen. Meistens schlich sich Bella dann ganz still und heimlich und leise zurück in ihr Zimmer und spielte dort alleine.
Einmal als ihre Eltern zum Einkaufen gefahren waren und vorher Fiona darum gebeten hatten auf Bella aufzupassen, passierte es mal wieder. Fiona wollte gerade anfangen mit Bella ein wunderschönes Bild zu malen; da kam Farhana in das Zimmer hinein und sagte: „Du kannst doch gar nicht malen!“ Fiona antwortete: „Ich kann viel besser malen als du!“ Sie stritten und vergaßen Bella, die neben ihnen saß und ein Einhorn unter einem Regenbogen malte.
Als die Eltern nach Hause kamen, rannte Bella sofort zu ihrem Vater und ihrer Mutter und fragte sie: „Warum streiten sich meine Schwestern immer? Immer streiten sie sich, aber nie spielen sie mit mir!“ Da sagte der Vater zu ihr: „Ja, das ist blöd! Ich hoffe, dass Du nie so mit deinen Schwestern streiten wirst!“ Diese Antwort half Bella aber nicht weiter und sie ging zurück in ihr Zimmer und wunderte sich, was sie nur machen könnte. Auf einmal hörte sie etwas in der Wand ihres Kinderzimmers. Hinter dem Sessel raschelte etwas. Dort hinten in der Wand hörte es sich an, als würde Herbstlaub rascheln. Nein, es hörte sich an, als wäre ein Wind in der Wand. Was war das? Bella folgte dem Geräusch entlang der Wand. Zuerst war es hinter dem Sessel, dann hinter ihrer Spielküche, dann auf einmal hinter dem Aquarium – und dann, als es hinter dem Kleiderschrank war, verstimmte das Geräusch.
Bella riss den Kleiderschrank auf, nahm all ihre Kleider raus und hörte das Geräusch wieder. Plötzlich war dort mitten im Schrank eine unglaublich kleine Tür. Noch nie hatte sie diese gesehen. Sie war kleiner als ihre Hand. Die Tür ging langsam und quietschend auf. Etwas Flauschiges versuchte sich durch die Tür hindurchzudrücken – doch dieses Etwas war viel zu groß dafür. Bella hörte, wie der Rahmen der Tür langsam zu brechen begann. Der ganze Kleiderschrank fing an zu wackeln und dann machte es ganz leise: Plumps. Vor ihr stand nun ein Hase, der mindestes dreimal so groß wie diese kleine Tür war. Er stellte sich auf seine Hinterpfoten und putzte sich seine langen Ohren. „Hallo?“ sagte Bella mehr fragend als wirklich den Hasen zu begrüßen. Mit offenem Mund stand sie da und sagte dann erstmal nichts mehr. Dann begann der Hase zu sprechen: „Hallo, ich bin der Hausgeist. Wir kennen uns, glaube ich, noch nicht. Sehr angenehm Dich kennenzulernen!“ Er leckte sich kurz noch seine Vorderpfoten und fügte dann noch hinzu: „Wenn Du einen Wunsch hast, kann ich ihn dir erfüllen!“ Bella rannte sofort schreiend zu ihren Eltern ins Wohnzimmer: „Mama, Papa, Mama, Papa …da ist eine Tür. Da steht ein Hase. Der redet.“ Die Eltern reagierten ganz ruhig, als wäre das alles das Normalste auf der Welt: „Ja, ja, das ist der Hausgeist – der ist sehr nett“, sagte die Mutter und der Vater nickte nur. Mehr sagte sie nicht. Bella blieb für einen kurzen Moment fassungslos dort im Wohnzimmer vor ihren Eltern stehen. „Hast Du ihn noch nie getroffen?“, fragte ihre Mutter sie. Bella schüttelte mit dem Kopf und ging langsam, etwas verwundert und nachdenkend zurück in ihr Zimmer. Dort stand immer noch dieser Hase und leckte sich wieder die Vorderpfoten. Er sah sie an und fragte sie: „Hast Du einen Wunsch, den ich Dir erfüllen kann?“
Bella wusste sofort, was sie sich wünschen wird: „Ich will, dass meine Schwestern nicht mehr die ganze Zeit mit Dir streiten, sondern mit mir spielen!“ Der Hase schüttelte den Kopf. „Ich kann Dir keinen Wunsch erfüllen, den du dir selbst erfüllen kannst.“ Er drehte sich um, nahm Anlauf und sprang durch die kleine Tür zurück in die Wand. Die Tür verschloss sich selbst und verschwand. Und das Geräusch in der Wand hörte Bella nun auch nicht mehr.
Bella rannte weinend zu ihrer Mutter: „Der blöde Hase hat mir meinen Wunsch nicht erfüllt! Ich solle ich ihn mir selbst erfüllen – aber das kann ich nicht!“ Was ihre Mutter ihr dann anwortete, hörte Bella gar nicht mehr, denn sie weinte so laut, dass sie nichts und niemanden mehr hören konnte. Ihr Vater nahm sie in den Arm, bis sich Bella wieder beruhigt hatte und dann ging sie, ohne ein Wort zu sagen, zurück in ihr Zimmer. Kurz danach kam Fiona zu ihr: „Warum hast Du denn so geweint?“ Und dann stand auch schon Farhana in der Tür zu Bellas Zimmer: „Warum hast Du denn so geschrien? Was ist los?“ Bella hatte nun die Schnauze voll und schrie Ihre großen Schwestern an: „Ihr seid blöd! Einfach blöd …ihr seid zu blöd, um mit mir zu spielen. Die ganze Zeit streitet Ihr Euch um mich, und vergesst mich. Ihr habt mehr Spaß damit Euch zu streiten, als mit mir etwas zu machen! Ihr seid die blödesten großen Schwestern auf der ganzen Welt!“ Farhana kam nun ins Zimmer rein, ging an Fiona vorbei und stand nun direkt vor Bella: „Und Du, Du bist die blödeste, kleine, süße Schwester, die es gibt! Du bist so süß, am liebsten würde ich Deine Einhorn-Regenbogen-Bilder zerreißen!“ Fiona drängelte sich nun vor Farhana und sagte zu Bella: „Du bist so blöd, dass Farhana neben Dir klug aussieht!“ Jetzt reichte es, Bella war stinkesauer: „Ihr beide seid so blöd …“ – doch ihr fiel nichts ein, was sie sagen könnte. „…blöd wie Brot?“ fragte Farhana. „Oder zu blöd, in der Nase zu popeln?“ schlug Fiona vor. Bella lachte: „Ihr seid zu blöd, um in der Nase zu popeln!“ Fiona nahm sie in ihre Hände, hob sie hoch und warf sie in die Luft: „Du kleine Nasenpoplerin!“ Farhana lachte: „Ihr Popelsammlerinnen!“ Zusammen dachten sie sich nun die lustigsten Beleidigungen aus und am Ende malten sie zusammen ein Bild. Was man auf dem Bild sehen kann? Einen großen, schönen Regenbogen und darunter zwei Einhörner – das eine Einhorn stochert mit seinem Horn in der Nase des anderen Einhorns und sucht grünen, glibberigen Popel. - Und in der Wand konnte man währenddessen den Hasen lachen hören und dann hörte Bella ihn noch leise flüstern: „Wunsch erfüllt“.
Die Rechte an der Aufnahme und der Geschichte liegen bei Till Magnus Steiner (Kontaktmöglichkeit via E-Mail: tms.steiner@gmx.net)
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