Der Affe und der Mond
Shownotes
Meine Tochter wollte, dass ich ihr eine Geschichte über "einen Affen und den Mond" erzähle. Daher haben wir uns zusammen diese Erzählung über Träume und Freundschaft ausgedacht, in der Ihr auch einem wackeligen Turm aus Tieren und vielen guten Freund begegnet.
…das Titelbild zu der Geschichte hat meine Tochter gemalt und hier nun auch noch der Text, falls Ihr die Geschichte auch mal selbst vorlesen oder vielleicht mitlesen wollt:
Der Affe und der Mond
Der Affe hatte gelernt, die Schlösser aller Türen und Tore im Zoo zu öffnen – wie er das geschafft hat? Tja, das wird nicht verraten – dieses Geheimnis hat er nur mit den anderen Tieren im Zoo geteilt. Es hatte etwas gedauert, bis er sich diesen Trick selbst beigebracht hatte, aber jetzt funktionierte es und er war seinem Traum ein Stück näher.
Nachts schaute er immer stundenlang in den Himmel und beobachtete den Mond, wie dieser am Nachthimmel entlang zog. „Ich will ihn von dort oben herunterholen und ihn mir aus der Nähe mal genauer angucken!“, dachte er dann immer – und um das zu schaffen, hatte er sich auch schon einen Plan ausgedacht. Eines Nachts schlich er hinüber zu den Giraffen. Sie sind die höchsten Tiere im ganzen Zoo. Ohne zu fragen, sprang er auf den Rücken der größten Giraffe, kletterte schnell den langen Hals hinauf und stand nun auf ihrem Kopf. „Ey, was soll das?“ schrie sie ganz erschrocken. Sie schwankte hin und her, da der Affe doch sehr schwer war. „Geh sofort runter von mir!“ Der Affe tat so, als hätte er sie nicht gehört und streckte sich mit seinem ganzen Körper dem Mond entgegen. Aber auch von dem Kopf einer Giraffe ist der Mond unerreichbar weit entfernt. Die Giraffe schüttelte nun ihren Kopf so stark, dass der Affe herunterfiel. Ihr selbst wurde davon so schwindelig, dass sie auch umfiel. „Kannst Du mir bitte mal erklären, was das sollte?“, fragte die Giraffe wütend. Der Affe antwortete ihr: „Ich will den Mond vom Himmel pflücken!“ Da lachte sie: „Der Mond ist doch kein Apfel, der an einem Baum hängt.“ Sie wollte ihm noch erklären, wie weit der Mond von der Erde entfernt ist: Selbst wenn sich alle Giraffen der Welt aufeinanderstellen würden, könnte die oberste Giraffe den Mond nicht berühren. Doch der Affe war bereits verschwunden.
Kurze Zeit später stand er dann plötzlich mit einem Elefanten wieder neben der Giraffe. Der Elefant schaute die Giraffe verwundert an: „Verstehst Du, was er will?“ Aufgeregt sprang der Affe hin und her: „Bitte, bitte!“, rief er, „Der Elefant ist das stärkste Tier im ganzen Zoo! Wenn also das höchste Tier auf dem Rücken des stärksten Tieres steht, dann schaffe ich es bestimmt hoch bis zum Mond!“ Die Giraffe verdrehte die Augen, aber sagte doch zum Elefanten: „Lass uns ihm den Gefallen tun.“ Mit Mühe und Not kletterte sie auf den breiten, grauen Rücken des Elefanten. Nun stand sie also etwas wackelig auf ihm. Der Affe sprang sofort vom grauen Po des Elefanten auf den gemusterten Rücken der Giraffe, kletterte an ihrem langen Hals hoch bis zum Kopf und stand wieder dort oben und war immer noch unendlich weit entfernt vom Mond. Frustriert ließ er sich auf seinen Po plumpsen und war enttäuscht. Während er nun so auf dem Kopf der Giraffe saß und schmollte, wollte die Giraffe gerade sagen, dass ihre Beine etwas wackelig auf dem Elefanten stehen – da geschah es. Die Giraffe fiel runter und mit ihr der Affe und beide lagen nun rechts und links vom Elefanten, der gar nicht verstand, was passiert war und sich einfach auch auf den Boden fallen ließ. Noch bevor die Giraffe und der Elefant wieder aufgestanden waren, war der Affe schon wieder weg. „Er wird es nie zum Mond schaffen!“, sagte die Giraffe und war deshalb sehr traurig.
Daher beschloss sie, ihm zu helfen, und ihm einen Mond zu schenken. Sie dachten sich einen sehr guten Plan aus. Sie war mit den Erdmännchen befreundet, die wiederum sehr enge Freunde mit den Löwen waren. Im Gehege der Löwen gab es einen großen Ball, mit dem sie früher manchmal gespielt hatten, der aber nun seit Wochen ungenutzt in der Ecke lag. Die Erdmännchen sollten fragen, ob sie sich den Ball ausleihen könnten und wenn ja, ihn dann zu dem Elefanten bringen. Der Zoowärter hatte ihm nämlich beigebracht mit seinem Rüssel und einem Pinsel Bilder zu malen. Er sollte den Ball so anmalen, dass er wie ein großer schöner Vollmond aussieht. Der Plan war sehr gut und er funktionierte auch. Aber gerade als der Elefant den Ball angemalt hatte – und er sah wirklich wie ein Mond aus - sahen alle Tiere im Zoo plötzlich, wie der Affe auf einer Rakete über ihren Köpfen in Richtung Mond flog. Er winkte ihnen freudig zu, während sie alle ihm ganz verwundert nachschauten. Während alle Tiere wie versteinert dastanden und nicht glauben konnten, was sie sahen, erhob sich der Adler und flog der Rakete hinter. Nach einiger Zeit waren der Affe mit seiner Rakete und auch der Adler so weit entfernt, dass man sie nicht mehr sehen konnte.
Als die Sonne wieder aufgegangen war und der Morgen begonnen hatte, kam der Adler zurückgeflogen und landete im Gehege der Giraffen. „Wo ist der Affe?“ fragte sie ihn. „Seine Rakete ist sehr weit geflogen“, erzählte ihr der Adler, „aber nicht weit genug. Er flog immer höher und höher und kam dem Mond immer näher. Dann aber fiel seine Rakete ganz plötzlich wie ein Stein in Richtung des Bodens. Ich konnte den Affen mit meinen Krallen im letzten Moment noch retten. Gerne hätte ich ihn hoch bis zum Mond geflogen, aber auch für mich ist der Mond viel zu weit entfernt. Daher landete ich mit ihm auf einem hohen Berg. Dort saßen wir dann und schauten schweigend den Mond an. Er sagte nichts – aber er sah glücklich aus. Als die ersten Sonnenstrahlen die Dunkelheit der Nacht erhellten sagte er dann doch etwas: ‚Ich habe es versucht! Ich habe es versucht!‘ Ich fragte ihn: ‚Bist Du enttäuscht?‘, und er schüttelte den Kopf: „Nein, denn ich habe es versucht.“ Ich breitete meine Flügel aus: ‚Es wird Zeit in den Zoo zurückzukehren.“ Aber er wollte nicht mit mir zurückfliegen. ‚Ich warte noch hier oben auf dem Berg, bis man den Mond nicht mehr sehen kann; und dann gehe ich wieder zurück nach Hause in den Zoo‘, sagte er zu mir und sah immer noch so glücklich aus – so habe ich ihn mit dem Mond alleingelassen und bin ich zurückgeflogen.“ Nachdem der Adler dies alles erzählt hatte, flog er zu den Erdmännchen, die mit dem Mond Fußball spielten: „Ihr müsst den Mond noch in das Gehege des Affen bringen, bevor er zurückkommt.“ Sie schauten ihn ganz verwundert an: „Wo ist denn der Affe?“ Da lachte der Adler: „Ganz nah am Mond, er ist ganz nah am Mond.“
Als der Affe wieder zurück zum Zoo kam. sah er schon von weitem dieses wunderschöne Geschenk – und er schnappte sich direkt den Ball, der wie der Mond aussah, und rannte hinüber zur Giraffe. Er warf ihr den Ball zu. „Ich komme gleich wieder! Pass gut auf den Mond auf!“ Wenige Minuten später zog er den Elefanten an seinem Rüssel herbei. Der Adler, der das alle vergnügt beobachtet hatte, kam nun auch herbeigeflogen – und er wusste direkt, was nun zu tun war. Er stibitze sich den Ball und flog mit ihm hoch über den Kopf der Giraffe. Sie lachte nur laut und sprang auf den Rücken des Elefanten, der sie dieses Mal mit seinem Rüssel stützte, damit sie nicht direkt wieder runterfalle. Vor lauter Freude machte der Affe erst einen Salto, dann sprang er auf den Po des Elefanten, kletterte schnell am Hals der Giraffe hoch und stand nun wieder auf ihrem Kopf. Der Adler flog so hoch, dass sich der Affe etwas strecken musste – aber er konnte nun tatsächlich den Mond, seinen Mond, aus den Krallen des Adlers vom Himmel pflücken. Darüber freute sich der Elefant so sehr, dass er mit seinem Rüssel ganz laut trompetete: „Törööööööööö!“ Dabei vergaß er aber ganz, dass er eigentlich ja mit seinem Rüssel die Giraffe stützte, deren Beine nun fürchterlich zu zittern anfingen. Da passierte es wieder: Die Giraffe und der Affe, der den Mond fest umarmte, fielen rechts und links vom Elefanten zu Boden. Und vor lauter Freude ließ sich auch der Elefant wieder fallen. Alle lachten laut. Der Adler ließ sich nun auch einfach fallen, plumpste auf den Bauch des Elefanten und rief: „Wir habt den Mond vom Himmel gepflückt!“
Die Rechte an der Aufnahme und der Geschichte liegen bei Till Magnus Steiner (Kontaktmöglichkeit via E-Mail: tms.steiner@gmx.net)
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